
Übrigens die ältere Dame mit der coolen Sonnenbrille ist meine Oma. Bei der Taufe wird sie meine Patin
Schließlich bin ich nicht wie die meisten Kinder bereits als Baby getauft worden, sondern ich habe selber entschieden, dass ich mich taufen lassen will. Und das kam so. Seit dem ich die erste Klasse an der Grundschule in Mochau besuche habe ich katholischen Religionsunterricht bei Herrn Katzer. Meinen Relilehrer habe ich euch ja schon vorgestellt. Den Unterricht besuche ich, weil meine Eltern der Meinung waren, dass es nichts schaden kann, wenn ich etwas über die Grundlagen der Religion lerne. Evangelische Religion wollte mein Paps nicht, weil er meint, dass der Sündenbegriff dort wie Blei auf den Schultern der Gläubigen lastet. Und das wollte er mir ersparen.
Bei Herrn Katzer habe ich vieles über Gott und die Welt gelernt. Und warum die Christen an Jesus Christus als Gottessohn glauben. Im letzten Jahr habe ich dann nicht nur die religiöse Kinderwoche besucht, sondern bin mit meinen Eltern auch öfter in die Messe in Döbeln gegangen. Beim Abendmahl habe ich mich gewundert, dass mein Paps immer sitzen geblieben ist, während die meisten anderen nach vorne zum Altar gegangen sind und dort die Kummunion empfangen haben. Wir Kinder durften übrigens auch nach vorne gehen, auch wenn wir noch nicht zur Kummunion gegangen sind. Statt einer Hostie hat der Pfarrer uns mit einem Kreuz auf der Stirn gesegnet.
Im Herbst habe ich dann den Entschluss gefasst, dass ich mich Taufen lassen will. Meine Eltern haben ganz schön dumm aus der Wäsche geguckt. Dachten zuerst ich wollte das nur, weil ich dann ein weißes Kleid anziehen darf und wegen der Geschenke. Aber so war es nicht. Ich will mich taufen lassen, weil ich an Gott glaube und weil ich Mitglied in der Kirche sein will.
Für mich bedeutete die Entscheidung aber erst einmal zusätzliche Arbeit. Denn neben dem normalen Reliunterricht habe ich auch noch Einzelunterricht beim Pfarrer Orland bekommen. Wir haben nicht nur zusammen gebetet, sondern ich habe dabei auch ganz viele Dinge gelernt, die ich bis dahin noch nicht kannte. Zum Beispiel das Tabernakel. Das ist so etwas wie ein Tresor. Nur dort kein Geld sicher weggeschlossen wird, sondern die Hostien aufbewahrt werden, die während der Messe in den Leib Christi umgewandelt wurden. Schließlich ist der Leib Christi so ziemlich das wertvollste was es in einer Kirche gibt.
Also das mit dem Leib Christi ist sicher nicht leicht zu verstehen. Denn wieso wird eine Hostie – erinnert an die Oblate unter den Lebkuchen – während der Messe in den Leib Christi umgewandelt? Das hat gar nichts mit Zauberei zu tun, sondern mit Glauben. Nämlich den Glauben daran, dass Jesus vor seiner Kreuzigung mit seinen Jüngern ein letztes Abendmahl feierte. Aber ich will hier nicht ins Theologische abschweifen.
Letzten Mittwoch haben meine Eltern und ich mit dem Pfarrer den Ablauf der Taufe durchgesprochen. Die Osternacht beginnt mit dem Entzünden des Osterfeuers vor der Kirche. Zum Glück wissen das inzwischen auch die Döbelner, so dass der Pfarrer nicht befürchten muss, alleine vor der Kirche zu stehen. Am Osterfeuer wird die Osterkerze entzündet. Und anschließend alle anderen Kerzen, bis auf meine Taufkerze. Die kommt erst später dran. Wann genau erfahrt ihr, wenn ich über meine Taufe berichte.
Denn heute Nachmittag bin ich erst einmal beim Frühlingsfest vom Treibhaus. Vielleicht sehen wir uns ja da.
Bis bald
Eure
Victoria
PS: Ab sofort könnt ihr bei mir flattern. Was das ist und warum ich das auf meiner Seite habe erkläre ich demnächst.







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