Verfasst von: victoria | November 25, 2010

Warum Frostis bester Hundekumpel eine Blondine ist … und sie ist nicht mal dumm.

Von unserem Hund habe ich ja schon mal erzählt… oder nicht? Ich meine schon, aber mein Paps meint, dann soll ich lieber mal genau nachschauen. Sonst verstündet ihr mein Geschreibsel womöglich nicht. Also wenn ich es mir richtig überlege, bin ich mir nicht sicher, ob ihr meinen Frosti schon kennen könnt. Aber nachschauen ist mir jetzt viel zu mühsam. Deshalb fange ich lieber von vorne an.
Also unser Frosti ist sowas wie ein Findelkind, obwohl er eigentlich aus besten Verhältnissen kommt. Sein Paps und seine Ma stammen beide von tollen Züchtern ab. Und seine Züchterin zählt sicher zu den besten im Osten und vielleicht sogar in ganz Deutschland. Trotzdem lief bei Frosti alles anders. Als seine Mama mit ihm schwanger war – ich weiß gar nicht, ob man das bei Hündinnen auch so nennt, aber ihr wisst schon, ich habe jetzt wirklich keine zeit für sowas – hat mein Paps mit der Ulrike so heißt die Züchterin in Dessau telefoniert und gefragt, wann sie den nächsten Wurf erwartet. Daddy und die Ulrike kennen sich schon seit mehr als zehn Jahren. Mein Paps hat sogar schon mal über sie in der Zeitung geschrieben. Das war für eine mit den großen vier Buchstaben. Damals war der Hündin ein wirklich großer Wurf gelungen. Ungewöhnlich viele Welpen hat die Hundedame seinerzeit zu Welt gebracht.
Da war auch Frostis Mama dabei – eine wirklich rassige Hundeschönheit. Schwarze lange Haare, braune Rehaugen und eine hervorragende pädagogische Ausbildung. Sie weiß wie man mit so kleinen Hunden wie Frosti umgeht. Nur bei seiner Geburt ist was gehörig schief gelaufen. Denn in der Nacht als unser Frosti geboren wurde – er ist zwei Jahre jünger als ich – ging lief vieles anders, als das Ulrike erwartet hätte. Ulrikes Mann wollte nachts noch mal nach der Hündin sehen, als er ein leisen Piepsen hörte, was von draußen kam. Weil er sich das Geräusch nicht erklären konnte, hat er draußen nachgeschaut. Und nach einigem Suchen, weil das Geräusch immer leiser wurde hat er unter der Terasse nachgeschaut. Ihr könnt euch sicher schon denken, wen er da gefunden hat. Richtig unseren Frosti.
Weil es in dieser Nacht nicht nur geschneit hat, sondern auch schon ganz schön kalt war, haben wir ihn gleich Frosti genannt. Also sein richtiger Name ist eigentlich Freiherr Frost zu Zottelbär. Aber weil er klein war, wirklich noch nicht aussah wie ein Freiherr, haben wir ihn nur Frosti gerufen. Daran hat er sich inzwischen so gewöhnt, dass es schwierig werden dürfte ihm den vollen Namen beizubringen. Ist nur lustig, wenn wir mit ihm spazieren gehen, und meine Ma oder mein Paps nach ihm rufen, dann drehen sich die Leute immer um, und schauen so, als hätten meine Eltern eine Meise, denn was dann angerannt kommt, ist ein schwarzer Riese. Zumindest denken das die Leute, sie sehen oft sogar ein wenig ängstlich aus. Dann weiß man als geübter Hundebesitzer gleich, dass die nicht mal wissen, welche Rasse unser Frosti ist, geschweige denn mit Briard oder Berger de Brie etwas anfangen könnten.
Also das ist die Rasse, der Frosti angehört. Auch wenn ich dieses Wort gar nicht mag. Das klingt so nach Nazi. Und Nazis machen mir nicht nur Angst, weil sie oft so gefährlich aussehen, sondern weil viele auch noch dumm sind. Die lassen sich von den wenigen Schlauen hinters Licht führen. Nur um den gescheiterten Existenzen ein kleines bissel Macht zu sichern, die sie in der normalen Gesellschaft niemals erreichen würden. Das ist wirklich pervers. Aber bei uns in Sachsen ist man leider nicht nur auf einem Auge blind. Der Tillich, also der Chef von der Regierung hier, sieht weder auf dem rechten, wenn es um die Nazis geht, noch auf dem linken, wenn es um ehemalige Stasileute geht. Deshalb verlangt der wohl jetzt auch von allen, die gegen Extremisten – also auch so leute wie meinen Paps – sind, weil der ist ja in der SPD – ein schriftliches Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung. Mein Paps spricht in diesem Zusammenhang immer von einer Ordnung, die in ihren Anfängen, sogar die alten Nazis vor einer Strafverfolgung geschützt hat. Deshalb lehnt er es auch ab sich zu ihr zu bekennen. Dann könnt er ja gleich in die NPD eintreten, sagt er und schüttelt über soviel Unsinn nur mit dem Kopf. Also die Gesine Schwan, die die Festrede zur Verleihung des sächsischen Demokratiepreises hielt, hat in Dresden ganz schön auf den Tisch gehauen und dem Tillich mal ihre Meinung gesagt. Wahrscheinlich steht sie jetzt auch auf einer Liste der möglichen Terrorverdächtigen. Das würde mich und meinen Paps nicht wundern.
Doch zurück zu unserem Fröstelchen, das ist sein Zweitname. Hihi, passt natürlich überhaupt nicht zu seinem Äußeren. Aber das ist mir doch egal, weil es ja schließlich auf die inneren Werte ankommt. Das sagt zumindest mein Paps immer, wenn meine Ma sich mal wieder zu dick findet. Also mein Fröstelchen ist der tollste Hund der Welt. Er ist so ein richtig Lieber, wenn auch manchmal ein bisschen dumm. Das liegt nicht daran, dass er durch die Matte vor seinen Augen nicht richtig sehen kann, auch wenn er meinen Eltern ständig auf die Füße tritt – was ich natürlich überhaupt nicht mag *grins*. Aber das ist ja nur gerecht, Schließlich treten beide ständig anderen Leuten auf die Füße. Meine Ma, weil sie nur ihren Job macht, und mein Paps, weil er mit den Worten kämpft.
Manchmal sitzt er Minuten lang vor seinem Laptop und starrt auf den Bildschirm. Das sieht dann immer so aus als wenn er auf der Suche nach Pixel-Fehlern ist. Aber die kann der Blindfisch ohne Brille schon gar nicht mehr erkennen. Sein Optiker in Döbeln, hat mal zu ihm gesagt, dass das daran liegt, weil mein Paps schon zu viele Geburtstage gefeiert hat. Dabei ist mein Paps eigentlich ein Feiermuffel – außer im Fasching oder wie die Kölner sagen würden im Fasteleer.
Also unser Fröstelchen ist wirklich ein Lieber, für mich noch dazu ein richtiger Kumpel. Der würde mich immer und überall beschützen, ich gehöre gewissermaßen zu seinem Rudel. Nur schade, dass ihn nicht ab und zu mit in die Schule nehmen kann. Dann würde ich bestimmt nicht so oft geärgert. Aber wahrscheinlich muss das so sein, schließlich will ich auch nicht, dass die anderen Kinder mir Angst machen oder mich ärgern. Mit meinem Namen kann man ja leider schlimme Dinge anstellen. Und vor meinem Fröstelchen hätten dann sicher alle Angst. Auch wenn die ganz unbegründet ist, so lange mich niemand körperlich angreift, würde Fröstelchen mich mit Bellen – also seine Art zu reden – verteidigen. Vielleicht würde er sogar mal ausnahmsweise knurren. Das klingt dann schon richtig furchterregend. Macht er sogar manchmal, wenn er Besuch von seiner Dame hat. Na ja so eine richtig feine Dame stimmt ja wieder auch nicht ganz – denn obwohl sie so super hübsch und sexy aussieht, ist sie nicht nur blond sondern auch ein Mischlingskind. So wie ich. Ich bin schließlich auch noch zu einem Viertel Koreanerin. Hättet ihr nicht gedacht, weil ich keine richtigen Schlitzaugen oder besser gesagt Mandelaugen habe? Ist aber so. Auch mein Paps sieht nicht unbedingt aus wie ein Koreaner, eher wie ein Italiener oder ein Türke. Hat einen ziemlich großen Klops im Gesicht. Da ist ein richtiger Haken dran – stammt aber nicht von einer Schlägerei, beteuert mein Paps. Glaub ich ihm sogar, weil der doch viel lieber mit den Worten ringt. Der findet nicht nur für jede Sache den passenden Ausdruck, sondern er weiß auch mit Worten zu verletzen. Das habe ich selber schon erlebt. Leider. War nämlich gar nicht so angenehm. Das war als Paps sich mal mit meiner Ma gestritten hat. Kommt zwar selten vor, wenn dann aber meist recht heftig – ich meine von den Worten her. Nicht weil sie sich gegenseitig irgendwelche Schimpfworte an den Kopf knallen, nein es ist der Sinn ihrer Worte der so verletzend sein kann. Da habe ich manchmal richtig Angst um unsere Familie. Schließlich sind beide nicht zum ersten Mal verheiratet. Zum Glück kommt das so selten vor, dass ich meine Angst sehr schnell wieder vergesse.
Aber zurück zu meinem Fröstelchen und seiner nicht ganz reinrassigen Hundedame. Die Dame heißt Jamie und ist bedeutend jünger als unser Frosti. Der steht auf jüngere Frauen wie mein Paps. Meine Ma ist schließlich auch sechs Jahre jünger als er. Nur schade, dass sie sich immer Mal wieder so richtig alt fühlt. Denn eigentlich ist sie ja eine richtig Flotte – nicht nur wegen ihrer orange-roten Haare. Auch sonst gehört sie wohl eher zu den Frauen, die genau wissen, was sie wollen und was nicht – ich bin da genauso wie sie.
Jamie und Frost sind für mich ein absolutes Traumpaar. Sie passen nicht nur äußerlich bestens zueinander, sondern sie verstehen sich auch blendend. Nur schade, dass die zwei niemals Hundebabys machen können. Fröstelchen ist kastriert und auch Jamie lag unterm Messer. Das wären bestimmt die süßesten Hundebabys der Welt geworden.
Weil die beiden keine eigenen Kinder haben können, haben sie mein Katerchen adoptiert. Sie teilen mit ihm nicht nur das Fressen, sondern kuscheln auch ganz viel zusammen. So wie in einer richtigen Familie.

So das war´s für heute erst mal.
Ich muss schließlich auch noch in die Schule, auch wenn ich derzeit überhaupt keine Lust mehr habe dort hinzugehen.
Aber das ist eine andere Geschichte, über die ich jetzt noch nicht schreiben mag.

Eure

Victoria


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